Uraufführung vom TanzTheater der Kulturen

Circa 30 Minuten getanztes Leben – TanzTheater der Kulturen Moving Stories Foto: Ingo Cordt

Bewegend, meditativ und spannend: So lässt sich das erste Stück vom „TanzTheater der Kulturen“ zusammenfassen. Am Samstag, 2. September, fand im Rahmen der „Kulturtrasse“ die Uraufführung statt. Unter dem Titel „circa 30 Minuten getanztes Leben – Moving Stories“ präsentierten 18 Tänzerinnen und Tänzer das Ergebnis von elf Monaten Probenzeit. Am 16. September wird das Stück noch einmal gezeigt.

Über den Verfügungsfonds der „Sozialen Stadt Oberbarmen/Wichlinghausen“ hatte das inklusive Tanzprojekt der „Färberei“ einen Zuschuss von rund 19.000 Euro erhalten. Menschen verschiedener Nationen, unterschiedlichen Alters, mit und ohne Behinderung wollten gemeinsam ein Stück erarbeiten, das von ihren eigenen Erfahrungen und Tanz lebt. In diesem Sinne war im Oktober 2016 das „TanzTheater der Kulturen“ an den Start gegangen.

Der international agierende Choreograf und ehemalige Tänzer von Pina Bausch, Mark Sieczkarek aus Schottland, und der kolumbianische Profi-Tänzer Wigabriel Soto Eschebach kümmerten sich um die insgesamt 32 Interessierten zwischen 19 und 75 Jahren, die sich teilweise zum ersten Mal als Tänzerinnen versuchten. Bis Januar war auch Bewegungspädagogin Andrea Angela Klötzing dabei. Ideengeber, Initiator und Organisator Ingo Cordt begleitete die Gruppe als ehrenamtlicher Helfer und stand schließlich als einer von drei Männern selbst auf der Bühne. Nach der erfolgreichen ersten Präsentation des Stücks zieht er eine erste Bilanz.

Frage: Herr Cordt, das „TanzTheater der Kulturen“ war für die Teilnehmenden aus Oberbarmen und Wichlinghausen aufgrund der Förderung aus dem Verfügungsfonds kostenlos. Wie relevant war das?

Ingo Cordt: Ein Großteil der TeilnehmerInnen nannte diesen Punkt, neben der Quartiersnähe und Projektidee, als ausschlaggebend für die Teilnahmemöglichkeit, da eine Finanzierung u.a. aufgrund einer sehr kleinen Rente bzw. Ausbildungsvergütung sonst nicht möglich gewesen wäre.

Frage: Was war der größte Erfolg des Projektes?

Cordt: Der größte Erfolg war für uns nicht, obwohl natürlich ein wunderbares Ereignis, die abschließende Aufführung, sondern der Entstehungsprozess, das Zusammenfinden und Miteinander der unterschiedlichen Personen in den vergangenen Monaten. Hierzu gehörte natürlich auch, dass einige Teilnehmer uns nur eine Zeit lang begleiteten, um für sich irgendwann festzustellen, dass ein anderes Projekt vielleicht doch besser zu ihren Bedürfnissen passt – ein Erkenntnisgewinn. Auf der anderen Seite war es Menschen mit z.B. chronischen (körperlichen oder geistig/seelischen) Erkrankungen ein wichtiges Bedürfnis, regelmäßig an dem Projekt teilzunehmen. Anderen war das wöchentliche Miteinander, das gemeinsame Erarbeiten, ein ganz wichtiges Strukturelement in der Wochenplanung. Diese kleinen Erfolge sind in der Summe für uns der größere Erfolg. Und da möchten wir, falls machbar, gerne wieder andocken.

Probe zu „Moving Stories“ Foto: Ingo Cordt

Frage: Heißt das, das Projekt wird fortgesetzt?

Cordt: Mit Moving Stories sind wir erstmalig in der Konstellation (Sieczkarek, Soto Eschebach, anfangs auch Klötzing, Cordt + Trägerverein Färberei) im Wuppertaler Osten an den Start gegangen. Den Verlauf mit seinen Schwankungen reflektieren wir zusammen mit dem Träger. Hieran wird sich auch die Frage nach einer Fortführung ggf. mit Konzeptmodifizierung sowie Finanzierungsfragen klären. Vorab werden wir aber nach der Aufführung am 16.9. eine künstlerische Pause einlegen. Das ist für die Gruppe auch sehr wichtig, da wir während der Schulferienzeiten durchgeprobt haben. Da wir das Projekt aber weiterhin als sehr wertvolle, kreative und sozial-verbindende Ergänzung für viele Menschen im Quartier betrachten, würden wir uns über eine (überarbeitete) Fortsetzung freuen.

Frage: Nochmal zurück zu den Aufführungen: 32 Personen haben während der elf Monate mitgemacht, aber nicht alle standen auf der Bühne. Warum sind die Aufführungen denn trotzdem wichtig?

Cordt: Die Aufführungen helfen uns, das Projekt öffentlich bekannter zu machen. So sind zumindest viele Reaktionen von Samstag zu werten. Zudem sind die Aufführungen für die meisten Kursteilnehmer der Höhepunkt. Ein paar Teilnehmer wollten oder konnten sich aus unterschiedlichen Gründen nicht öffentlich präsentieren, standen daher nicht auf der Bühne. Die Probenarbeit mit kreativem Austausch und sozialen Kontakten war ihnen jedoch wichtig.

Frage: In „Moving Stories“ wurde nicht nur getanzt, sondern auch gesprochen und gesungen, was noch zusätzlichen Mut erfordert. Hatten alle Teilnehmenden schon Bühnenerfahrung?

Cordt: Von den Menschen, die das erarbeitete Stück präsentierten, hatte der überwiegende Teil in seinem bisherigen Leben schon einmal Bühnenerfahrung sammeln können. Entweder herrührend aus Kursangeboten in anderen Metiers wie Musik und bildender Kunst oder beruflich bedingt, zum Beispiel Kinder- und Jugendarbeit.

Frage: Wo und wann kann man „Moving Stories“ noch einmal sehen?

Cordt: Am Samstag, 16. September, treten wir um 19.30 Uhr noch einmal in der Färberei, Peter-Hansen-Platz 1, auf.

Vielen Dank für das Gespräch.