Legale Graffitis sind gut fürs Image

v.l.n.r.: Bernhard Wiemer (Eigentümer), Steffen Peter (Künstler), Christiane Plagge (Wi4U), Stefanie Rolf (Quartierbüro).

Bernhard Wiemer ist begeistert: Die lange Wand vor seinem Firmengelände ziert ein Graffiti. Aber nicht irgendeins und schon gar kein hingekritzeltes. Der Bauunternehmer ist Besitzer des ersten rund 60 Quadratmeter großen Spray-Kunstwerks in Oberbarmen. Dafür bedankte er sich bei einer Ortsbegehung bei den Organisatorinnen vom Quartierbüro und vom Jugendzentrum Wi4U sowie dem Künstler Steffen Peter.

Über einen Bericht in der Zeitung war Bernhard Wiemer darauf aufmerksam geworden, dass eine Fläche für legales Graffiti benötigt wurde. „Da dachte ich mir, „So eine Fläche hast du doch'“, erinnert er sich. Eigentlich hatte er die lange Wand an der Langobardenstraße selbst irgendwann streichen wollen. „Aber dann wäre sie vermutlich ganz schnell beschmiert worden.“ Da aber illegale Graffiti-Sprüher in der Regel keine richtigen Graffitis übertünchen, nutzte Wiemer die Gunst der Stunde und ließ die Wand von Steffen Peter und den Jugendlichen aus dem Wi4U verschönern. Der Weg dahin war leicht und unbürokratisch.

Denn ein Anruf bei Quartiermanagerin Stefanie Rolf reichte schon aus. Stefanie Rolf koordiniert für das Quartierbüro die Aktionen rund um das Thema „Sauberes Quartier“. Die Graffiti-Wand in der Nähe des Schulzentrums Ost ist dabei das Pilotprojekt. Aber wie kam es dazu, dass das Quartierbüro eine Wand besprühen lässt? „In den Jahren 2016 und 2017 gab es aus der Bewohnerschaft des Stadtteils zwei Bürgeranträge. Der eine war zum Thema Graffiti – insbesondere zum Umgang mit illegalen Graffitis. Dabei ging es um die Entwicklung geeigneter Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung des illegalen Sprühens“, erzählt Stefanie Rolf. Der zweite Bürgerantrag, so berichtet sie, beschäftigte sich mit dem Thema Sauberkeit im Stadtbild. „Das Quartierbüro wurde daraufhin im November 2017 von der Stadt beauftragt, ein Konzept für die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen zu den Themen der Bürgeranträge zu erarbeiten. Dieses Konzept haben wir erstellt und es wurde vor den Sommerferien durch die Bezirksvertretung Oberbarmen beschlossen.“ Direkt im Anschluss an die Sitzung erschien der Zeitungsartikel, auf den hin sich Bernhard Wiemer im VierZwoZwo meldete. Ein Glücksfall, denn nun konnten die bisher theoretischen Ideen in die Tat umgesetzt werden.

Im Jugendzentrum Wi4U gab es Graffiti-Workshops.

Eine wichtige Rolle dabei spielte das Jugendzentrum Wi4U, das wie das Quartierbüro an der Tütersburg ansässig ist. Christiane Plagge und Aleksander Warzecha arbeiten dort mit den Jugendlichen. Sie boten an, gemeinsam mit ihren Teilnehmenden und dem Künstler Steffen Peter Workshops zum Thema Graffiti durchzuführen. Durch Selbstgestalten sollten die jungen Menschen erleben, dass etwas legal und schön zu machen viel besser ist, als illegal ein paar Zeichen zu sprühen. Dass diese Idee gut funktioniert hat, auch wenn die Beteiligten sehr unterschiedlich waren, beweist sehr eindrucksvoll die kunstvoll gestaltete Wand, die viel Lokalkolorit aufweist. „Einige Dinge erkennt man sofort. Aber man muss schon ziemlich lange hinschauen, um alles zu sehen“, sagt Christiane Plagge.

Steffen Peter gibt einen kurzen Überblick darüber, was die jungen Leute alles gesprayt haben: Tuffi, die Schwebebahn, den Skulpturenpark, ein Porträt von Paula Moderssohn-Becker sowie Motive von Sportvereinen und Internet-Blogs, zu denen sie einen persönlichen Bezug haben. „Allen, die dabei waren, hat es großen Spaß gemacht“, ist sich der künstlerische Leiter des Projekts sicher. Bernhard Wiemer hat auf jeden Fall Spaß an seiner tollen Kunstfläche. „Ich bin begeistert. Das ist eine richtige Aufwertung des Stadtteils“, findet der frischgebackene Kunstbesitzer. Da kann Stefanie Rolf ihm nur zustimmen: „Das Graffiti ist ein Imagegewinn für Oberbarmen.“ Sie hofft, dass sich nun ganz viele Eigentümer das wunderbare Bild anschauen und dann ihrerseits Flächen für Sprühkunst zur Verfügung stellen.

Beim nächsten Forum für Eigentümer in Oberbarmen und Wichlinghausen, das am 5. November, um 19.00 Uhr in der Färberei, Peter-Hansen-Platz 1, beginnt, geht es auch um das Thema „Schöne Fassaden – lebenswertes Quartier“. Es werden Best Practice Beispiele für Verschönerungsaktionen im Quartier gezeigt. Des Weiteren wird es eine Podiumsdiskussion unter anderem mit dem Geschäftsführer der Wuppertaler Stadtwerke, der AWG und EWG, Herrn Martin Bickenbach, geben. Interessierte Eigentümer können sich schon jetzt anmelden. Der Eintritt ist wie immer kostenlos.
Den Flyer für das Eigentümerforum finden Sie hier: Flyer 3. Eigentümerforum

Das Quartierbüro ist telefonisch unter 97 64 99 41 oder per Mail über info@vierzwozwo.de zu erreichen.