Gedenken an deportierte Sinti und Roma

Diese Gedenktafel wird eingeweiht. Foto: Jochen Vogler

Anlässlich des 75. Jahrestages der Deportation von Sinti und Roma vom Klingholzberg findet am Freitag, 2. März, eine Gedenkveranstaltung mit Konzert statt. Die Veranstaltung beginnt um 15.00 Uhr im Jugendzentrum Heinrich-Böll-Straße 136. Im Anschluss wird eine Gedenktafel eingeweiht. Veranstalter sind der Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal in Kooperation mit SJD – Die Falken KV Wuppertal – Bergisch Land und Regionalbüro Arbeit und Leben DGB/VHS Berg-Mark.

Bluma Meinhardt Foto: J. Vogler

Die Veranstaltung im Jugendzentrum ist eine von drei, die an diesem Gedenktag stattfinden. Als Gäste werden auf dem Klingholzberg erwartet: Roman Franz, 1. Vorsitzender des Landesverbands deutscher Sinti und Roma NRW, Stefan Kühn, Beigeordneter der Stadt Wuppertal, Andreas Bialas, Mitglied des Landtag NRW und der Bezirksvertretung Langerfeld, sowie Angehörige der Familien Paßquali, Franz und Meinhardt. Buchautorin und Gruppensprecherin Bluma Meinhardt wird einen Vortrag halten. Für die musikalische Gestaltung kommt „Romeny Jag – Zigeunerfeuer“ aus den Niederlanden nach Wuppertal. Der Eintritt ist frei.

„Am 75. Jahrestag der Deportation wollen wir zusammen mit den Angehörigen der Sinti und Roma an die Opfer erinnern und mit der Öffentlichkeit eine Gedenktafel einweihen“, erklärt Dr. Stephan Stracke. Er hat das vom Verfügungsfonds geförderte Projekt zur  Aufarbeitung der Ermordungen von Sinti und Roma vom Klingholzberg geleitet. Maßgeblich beteiligt an den Recherchen waren Schülerinnen und Schüler der Christian-Morgenstern-Schule.

Die Gedenktafel fasst die Leidensgeschichte der ermordeten Menschen in Kurzform zusammen: „In Erinnerung an die Wuppertaler Sinti und Roma, die am 3. März 1943 vom Klingholzberg nach Auschwitz deportiert wurden. In Erinnerung an die BewohnerInnen vom Klingholzberg, die von den Nationalsozialisten verhaftet, misshandelt, zwangssterilisiert und ermordet wurden.“

Die Rechercheergebnisse
Die Verfolgung der Wuppertaler Sinti und Roma ist bisher nur in Ansätzen erforscht. Bisher sind nur 69 Sinti und Roma namentlich bekannt, die während der NS-Zeit ermordet wurden oder in den Lagern den Tod fanden. Die ersten Verhaftungen von Wuppertaler Sinti und Roma erfolgten 1940 noch als individuelle Verhaftungen und Einlieferungen in Konzentrationslager zumeist als AZR-Gefangene. Bereits am 17. Oktober 1939 hatte Heinrich Himmler im sog. “Festschreibungserlaß” verfügt, dass Sinti und Roma ihren Wohn- oder Aufenthaltsort nicht mehr verlassen durften.

“Zigeunerlager” entstanden u.a. im Werbsiepen am Blombacher Bach und ab 1940 in der Notsiedlung Klingholzberg in Wuppertal-Barmen. Einzelne Familien waren auch in Mietwohnungen untergebracht. Der größte Teil der Wuppertaler Sinti und Roma war in die städtischen Notsiedlung auf dem Klingholzberg eingewiesen worden. Sie standen in der Siedlung Klingholzberg unter der ständigen Kontrolle der Kriminalpolizei. In der Folge des sogenannten Auschwitz-Erlasses für „Zigeuner“ vom 16. Dezember 1942, mit dem Himmler die systematische Verhaftung und Deportation der rund 10.000 noch im Reich verbliebenen Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau anordnete, wurden im Frühjahr 1943 von der Kripo auch in Wuppertal Verhaftungen eingeleitet.

Der Transport vom 3.3.1943 umfasste etwa 202 Sinti und Roma aus Wuppertal, Solingen und Remscheid. Unter ihnen befanden sich 103 Kinder im Alter bis 15 Jahren. Er erreichte Auschwitz am 9.3.1943. In Wuppertal wurden am 3. März 1943 morgens die Menschen aus der Notsiedlung Klingholzberg und aus ihren Wohnungen heraus verhaftet. Am Klingholzberg wurden die Menschen im Beisein eines uniformierten Polizisten und zweier Zivilbeamter auf einen großen LKW verfrachtet und zunächst ins Wuppertaler Polizeigefängnis gebracht.

Zwei Angehörige im Gespräch. Foto: Jochen Vogler

Mindestens eine 8 köpfige Familie wurde nach einer Vernehmung im Polizeipräsidium am Güterbahnhof in Wuppertal-Unterbarmen verladen und per Zug abtransportiert. In Wuppertal wurden u.a. die Familien Franz, Widic, Munk, Reinhardt, Marx, Kreuzer, Steinbach und Paßquali nach Auschwitz deportiert. Mindestens 59 Wuppertaler Sinti und Roma starben in Auschwitz, acht starben in anderen KZ, eine Person wurde in Schloß Hartheim in Östereich ermordet.

Insgesamt 23.000 Sinti und Roma wurden nach Auschwitz deportiert. Etwa 20.000 von ihnen starben in Auschwitz. Etwa 13.600 von ihnen starben an den entsetzlichen Lebensbedingungen, an Krankheiten und Quälereien. 5.600 wurden in den Gaskammern ermordet. Im August 1944 wurde das „Zigeunerlager“ aufgelöst, arbeitsfähige Häftlinge wurden in andere Konzentrationslager zur Zwangsarbeit überstellt. Die Übriggebliebenen wurden in der Nacht vom 2. auf den 3.8.1944 vergast.