Patricia Knabenschuh verlässt Wuppertal

Koordinatorin Patricia Knabenschuh

Leicht fällt es ihr nicht, Wuppertal und das Förderprojekt „Soziale Stadt“ zu verlassen. Das gibt Patricia Knabenschuh ganz offen zu. Vier Jahre lang hat sie als kommunale Projektkoordinatorin die Geschicke in Oberbarmen und Wichlinghausen gelenkt. Am 1. September fängt die Sozialmanagerin in ihrem Wohnort Köln beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) an. Fürs VierZwoZwo Quartierbüro zieht sie Bilanz.
32 Jahre arbeitet Patricia Knabenschuh bei der Stadt Wuppertal. 1987 fing sie beim Sozialamt an und arbeitete seit 1998 beim Jugendamt. Als 2014 die Stelle der Projektkoordinatorin „Soziale Stadt Oberbarmen / Wichlinghausen“ ausgeschrieben wurde, weil Jutta Schultes in Ruhestand ging, bewarb sich Patricia Knabenschuh – und bekam die Stelle. Im Januar 2015 fing sie an. „Am Anfang war das alles sehr viel und sehr komplex. Ich musste erstmal alle Akteure und die Bedürfnisse der Menschen kennen lernen“, erinnert sich die Koordinatorin. Hatte sie in den ersten Monaten noch den erfahren Kollegen Peter Ritting an ihrer Seite, ging dieser im April 2016 in Ruhestand. „Da habe ich gerade versucht, zusätzlich die Soziale Stadt Heckinghausen an den Start zu bringen“, berichtet Patricia Knabenschuh. „Außerdem hat in Oberbarmen/Wichlinghausen 2015 die zweite Förderphase der Sozialen Stadt begonnen. Und wegen der Zuzüge der Flüchtlinge mussten wird die geplanten sozialen Projekte überprüfen und anpassen.“ Erst nach sechs Monaten kam mit Britta Jobst wieder eine Kollegin.

Bei den Stadtteilkonferenzen berichtete Patricia Knabenschuh aus der „Sozialen Stadt“.

Etwa anderthalb Jahre, schätzt Patricia Knabenschuh, habe es gedauert, bis sie das Gefühl hatte, sich im Projektgebiet und mit den komplexen Förderrichtlinien gut auszukennen. Denn anders als andere Projekte, die irgendwann einen routinierten Ablauf haben, gibt es in der Sozialen Stadt Oberbarmen/Wichlinghausen ständig Bewegung. Daher fällt es der Koordinatorin auch schwer, ein Lieblingsprojekt zu benennen. „Es gibt viele kleine Projekte, wie die Wegeverbindung zwischen Langobardenstraße und Schwarzbach, die ich total wichtig finde. Und dann gibt es die großen Bauprojekte, wie das Stadtteilzentrum Langerfeld und den Bob-Campus.“ Während das „Forum Langerfeld“ ein Beweis dafür sei, wie gut die Kooperation im Quartier und in den verschiedenen städtischen Stellen schon funktioniere, sei der Bob-Campus ein Leuchtturmprojekt, der die Nachbarschaft noch näher zusammenbringen soll. „Ich bin stolz darauf, dass der Bob-Campus kommen wird, obwohl einige das nicht für möglich gehalten hätten“, gibt die Sozialmanagerin zu. Dass die Familie Bünger ihr Grundstück für das Projekt gestiftet habe, die Montag-Stiftung dort eingestiegen sei und sich schon jetzt ganz viele Menschen im Quartier beteiligten, das sei etwas Besonderes.

Patricia Knabenschuh beim Eigentümer-Forum

Großes Lob spricht Patricia Knabenschuh auch dem VierZwoZwo Quartierbüro aus, das sich darum kümmere, die Akteure der Sozialen Stadt zu vernetzen und dies mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit bekannt mache. Als Beispiel nennt sie das Eigentümer-Forum, in dem sich neben dem Quartierbüro auch die Stadt und die Quartiersentwicklungsgesellschaft engagieren, um Immobilienbesitzer zu beraten und in den Austausch zu bringen. Daraus entstanden ist zum Beispiel ein Arbeitskreis gegen illegales Graffiti.

Aber wie geht es bei und mit der Projektkoordination weiter, wenn Patricia Knabenschuh Wuppertal verlässt? „Zum einen bleibt meine Kollegin Britta Jobst da, die sich genauso gut auskennt“, beruhigt die Kölnerin. „Zum anderen wird meine Stelle vermutlich bald ausgeschrieben.“ Denn es gebe noch sehr viel zu tun. „Im Moment sind wir in einer Phase, in der schon viele Projekte laufen. Aber wir haben noch große Projekte vor uns.“ Außerdem, blickt Patricia Knabenschuh in die nahe Zukunft, gebe es die Chance, die „Soziale Stadt Oberbarmen/Wichlinghausen“ weiterzuführen. Doch wenn 2023 die dritte Förderphase kommen solle, dann müssten vorher Konzepte entwickelt und Anträge gestellt werden.

Das Forum Langerfeld ist auch ein Projekt der „Sozialen Stadt“.

Unterstützungsangebote für die Menschen im Quartier könnten in einer dritten Förderrunde im Vordergrund stehen, meint die erfahrene Koordinatorin. Beispiele seien PrioA und 75 Familien plus – das jetzt als „Familien im Quartier“ weiter entwickelt wurde. Da gehe es konkret um die Menschen und ihre Lebenssituation in Oberbarmen und Wichlinghausen. „Im letzten Jahr ist die Evaluation der Sozialen Stadt gestartet. Dabei haben die Evaluatoren festgestellt, dass sich zwar vieles im Quartier verbessert habe, aber die Sozialdaten immer noch schwierig seien.“ Es gebe immer noch viele arbeitslose Menschen, viele im SGB II-Bezug, also Jobcenter-Kunden, und vor allem viele Kinder. Um noch gezielter Hilfestellung zu leisten, könnte geschaut werden, wie man die großen Anlaufstellen im Quartier, wie das Wiki von der Diakonie, das Forum Langerfeld, die Treffpunkte des CVJM, der Stadt und das im Bau befindliche Jugendzentrum des Sozialwerks der Christusgemeinde und des BOB Campus, noch enger verzahne. Hier könnte, so rät Patricia Knabenschuh, auch das Quartierbüro bei der Vernetzung eine wichtige Rolle spielen.

Ums Vernetzen geht es für die scheidende Projektkoordinatorin in ihrer neuen Funktion auch wieder: Beim LVR wird sie sich um ein Projekt zur Entwicklung der „integrierte Beratung“ im Bereich der Psychiatrischen Angebote des LVR kümmern. Das VierZwoZwo Quartierbüro wünscht ihr für die neue Aufgabe alles Gute und viel Erfolg und dankt ihr für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Wer sich von Patricia Knabenschuh verabschieden möchte, hat dazu am Donnerstag, 11. Juli 2019, ab 17 Uhr Gelegenheit. Im Quartierbüro, Tütersburg 4, gibt es zum Abschied eine gesellige Runde mit Getränken und Snacks.