Das „Wunder“ der Liegnitzer Straße

Die neuen Räume für die OGS Liegnitzer Straße.

„Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.“ Das sagte Schuldezernent Stefan Kühn, als die neuen Betreuungsräume an der Grundschule Liegnitzer Straße offiziell eingeweiht wurden. Lange hatten er und die Schule auf diesen Tag gewartet. Dass es jetzt endlich soweit war, liegt mit an der Förderung über die „Soziale Stadt Oberbarmen / Wichlinghausen“.

Zehn Jahre habe es gedauert, das Nebengebäude als Ort der Nachmittagsbetreuung zu errichten. Da sei viel Geduld und Beharrlichkeit nötig gewesen, verdeutlichte Kühn, der die Liegnitzer Straße als „Talentschmiede“ würdigte. Denn die frühere Wuppertaler Oberbürgermeisterin Ursula Kraus sei hier zur Schule gegangen – seinerzeit freilich ohne OGS.

Buntes Rahmenprogramm gab es zur feierlichen Einweihung.

Nach den Osterferien 2019 konnten die Kinder die neuen Räume erstmals nutzen. Ihnen stehen jetzt im Nebengebäude zusätzlich über 280 Quadratmeter zur Verfügung. Das bietet Platz für bis zu 50 Betreuungsschüler*innen. Die Gesamtkosten für Sanierung und Umbau belaufen sich auf knapp 850.000 Euro. Das Projekt wurde mit 613.900 Euro über die „Soziale Stadt Oberbarmen / Wichlinghausen“ gefördert. Bei der Organisation der feierlichen Einweihung gab es ebenfalls Hilfe über die Soziale Stadt: Das Quartierbüro, das das Programm vor Ort begleitet, kümmerte sich zum Beispiel um Liegestühle auf dem Schulhof.

Schuldezernent Stefan Kühn inspiziert die neuen Räume.

„2007 sind wir als eine der ersten Grundschulen in Wuppertal mit der Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) gestartet“, berichtet Christina Rogusch, die damals die Schulleiterin war. Heute ist sie die Vorsitzende des Betreuungsvereins. Vier Gruppen habe es damals gegeben. Im laufenden Betrieb sei eine fünfte dazu gekommen. Doch der Bedarf sei riesig gewesen und auch heute noch groß. „Die Schülerzahl ist auch stetig gestiegen“, verdeutlicht Anja Schäfer, die jetzige Rektorin. Hinzukomme, dass die Schule sich als Lebensraum für die Kinder sehe und deswegen möglichst viele in die OGS aufnehmen wolle. So seien von 320 Schüler*innen 175 in der Nachmittagsbetreuung. Vor zwei Jahren sei die siebte Gruppe gestartet. Da wurde es in den Räumen unterm Dach des Schulhauses doch schon eng.

Um den Bedarf an OGS-Plätzen zu decken, sollte das bislang leerstehende, ehemalige Hausmeisterwohnhaus mitgenutzt werden. Die Idee hatten die Schule und Schuldezernent Kühn schon lange verfolgt. Doch zunächst hatte die Stadt versucht, das Gebäude zu verkaufen. „Da haben wir gezittert“, verrät Christina Rogusch. Aber es fand sich kein Käufer für die Immobilie, die 1902 in Massivbauweise als Rektorenwohnhaus errichtet worden war, zeitgleich mit dem heutigen Grundschulgebäude. Beide Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Das ehemalige Hausmeisterwohnhaus grenzt mit seiner Westfassade an der Liegnitzer Straße an, ist voll unterkellert und verfügt über ein Erdgeschoss, ein erstes Ober- und ein Dachgeschoss.

OGS Liegnitzer Straße

Die alte Hausmeisterwohnung beherbergt jetzt den Offenen Ganztag.

Nach dem Umbau stehen für den Offenen Ganztag nun zusätzlich fünf Betreuungsräume, eine pädagogische Küche und ein Sanitärbereich zur Verfügung. Im Erd- und im Dachgeschoss wurden neue Türdurchbrüche geschaffen. Im ersten Stock wurden zwei Räume zu einem großen Betreuungsraum zusammengelegt. „Im Moment sind hier nur die Kinder der ersten Jahrgangsstufe“, erzählt Erzieher Philipp Ujma. Mit zwei Kolleginnen kümmert er sich um die 32 I-Dötzchen. Dass das Gebäude nun so schön sei, hätte viele von den älteren Kindern verwundert. „Das ist der Vorher-Nachher-Effekt“, weiß Ujma.

Der Zustand des Gebäudes machte eine umfangreiche Instandsetzung und Renovierung erforderlich. Zunächst fand im Frühjahr 2018 eine Schadstoffsanierung statt. Es folgten Arbeiten für  Brandschutz und Statik. Im Anschluss an die Schadstoffsanierung wurde am zweiten Flucht- und Rettungsweg gearbeitet und  Feuchtigkeitsschäden im Keller behoben. In den Sommerferien vorigen Jahres wurden ein Stahltreppenturm und neue Dachfenster eingebaut. Die nur einfach verglasten Fenster wurden durch denkmalgerechte Fenster mit Isolierglas ersetzt und die Innenwände verputzt, Notausgangstüren geschaffen und Estrich eingebaut. Jetzt ist alles so, wie der Schuldezernent es sich gedacht hat.